Kommentar «Einkommensverteilung»

von Hans Rudolf Fuchs, Therwil, Mitglied succèSuisse

Die Initianten der 1:12-Initiative behaupten, dass die Lohnschere weiter auseinander driftet und das Lohneinkommen immer ungleicher verteilt wird. Das stimmt nicht. Es gibt ausreichend statistisches Material, um die Argumente der Initiative als irreführend und gefährlich zu entlarven:

Verteilungsgerechtigkeit

Gemäss Bundesamt für Statistik verdienten im Jahr 2009 20% der Bevölkerung mit den höchsten Einkommen (verfügbares Äquivalenzeinkommen ) 4,3 mal so viel wie die 20% mit den tiefsten Einkommen. Die Ungleichheit zwischen hohen und tiefen Einkommen haben sich seit 2000 nicht signifikant verändert. Das heisst, die Schere der Einkommensverteilung hat sich seit Jahren nicht massiv geöffnet, auch wenn die Initianten der Initiative ständig das Gegenteil behaupten.

Das Äquivalenzeinkommen dient der besseren Vergleichbarkeit von Haushalten unterschiedlicher Grösse. Es macht die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auf Stufe Einzelperson vergleichbar.

Einkommensverteilung im Vergleich zu den EU Ländern

Wie die Erhebung des Bundesamtes für Statistik (BfS) weiter zeigt, liegt die Schweiz 2011 in Europa bezüglich der Einkommensverteilung im Mittelfeld. Interessant ist, dass die Einkommensverteilung gerade in denjenigen Ländern mit kriselnden Arbeitsmärkten, welche im Zentrum der Turbulenzen im Euroraum stehen, besonders ungleich und grösser ist als bei uns. Diesen Fakten sollten auch die Stimmbürger hellhörig machen.


Lebensstandard im Vergleich zu den EU Ländern

Die BfS –Statistiken zeigen auch, dass der allgemeine Lebensstandard der Schweizer ausgedrückt in Kaufkraftstandards an dritter Stelle knapp hinter Luxemburg lag.


Materielle Entbehrungen im Vergleich zu den EU Ländern

Anders als mit relativen Massen wie der Armutsgefährdung, lässt sich soziale Ausgrenzung  anhand materieller Entbehrungen absolut beschreiben. Dazu wird der Nichtbesitz von Gebrauchsgütern, bzw. das Fehlen elementarer Lebensgrundlagen wegen mangelnder finanzieller Ressourcen bestimmt.
Von erheblicher materieller Entbehrung wird gesprochen, wenn mindestens vier von neun Indikatoren aus finanziellen Gründen fehlen. Die Quote der Schweiz (1.0%) liegt weit unter dem EU-27 Durchschnitt (8.8%). Die Schweiz steht in Bezug auf die Quote erheblicher materieller Entbehrungen besser da als die Nachbarländer Österreich (3.9%), Frankreich (5.2%), Deutschland (5.3%) und Italien (11.2%).


Fazit

Überlegungen zu Moral, Ethik und Verteilungsgerechtigkeit sind erstrebenswert. Allerdings müssen sie mit Augenmass und einem Blick auf die Realität gemacht werden.

Wie gezeigt wurde, sind die Differenzen in der Einkommensverteilung gerade in Ländern mit unflexiblen Arbeitsmärkten besonders gross. Während  diese Länder mit unflexiblen Arbeitsmärkten jetzt gezwungen sind, ihre Märkten und Verwaltungen zu liberalisieren, um aus den grossen Problemen herauszukommen, sägen die Protagonisten der 1:12-Initiative aus ideologischer Verblendung, kombiniert mit Unkenntnis, an dem Ast auf dem wir sitzen und den andere Länder zu erreichen versuchen. Es ist noch möglich, die Schweizer Stimmbürger/-innen vor diesem Schildbügerstreich zu warnen.

Unser materieller Wohlstand und die soziale Wohlfahrt der Schweiz basieren auf einer liberalen Wirtschaftsordnung. Setzen wir uns dafür ein und stimmen NEIN zur 1:12-Initiative.

Weitere Vergleichstatistik:
- Avenir Suisse: Schweizer reicher, aber auch gleicher als die meisten
- economist: A week's wages

Aktuell

12.02.2017

Das heutige Nein zur Unternehmenssteuerreform III

Die Wirtschaft braucht jetzt Rechtssicherheit

Die Stimmbevölkerung hat entschieden, die Steuerreform abzulehnen. Im Vorfeld der Pro-Kampagne wurde aufgezeigt, dass diese Steuerreform einen geordneten Übergang in ein neues international akzeptiertes Steuersystem ermöglicht, Steuereinnahmen gesichert und die Handlungsoptionen der Kantone und Gemeinden verbessert hätte. Doch die Ungewissheit, was diese Reform genau für den Mittelstand bedeutet hätte, bewegte eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer, ein Nein in die Urne zu legen. Jetzt sind die Kantone und die Politik gefordert, die Rechtsunsicherheit für den Wirtschaftsstandort Schweiz, die mit diesem Nein entstanden ist, so rasch wie möglich zu beseitigen. Mehr